Montag, 18. Oktober 2010

Reise nach Cold Lake 9. - 10.10.2010



Haltepunkte: 1. Mundare - 2. Andrew - 3. Vilna - 4. Glendon - 5. Cold Lake - 6. Goodsoil - 7. St. Walburg - 8. Paradise Hill - 9. Marwayne - 10. Heinsburg - 11. Dewberry - 12. Lloydminster - 13. Vermilion - 14. Innisfree

Anfang Oktober stand bei uns ein Besuch bei Freunden in Cold Lake auf dem Plan und da wir das Reisen lieben beschlossen wir auch noch für die Rückfahrt eine etwas andere Route zu wählen als hinzu.

Samstag den 9.10.2010 ging es Morgens zeitig los. Immerhin sind es nach Cold Lake 300 km und wir hatten den einen oder anderen Zwischenstop geplant. Die Strecke nach Cold Lake ist nämlich nicht nur ein langer Highway, durch die Weite und Leere der kanadischen Prärie, es ist eine Strecke voller Highlights mit einer Menge "Weltgrößte...." - Sachen.

Erster Haltepunkt nach nicht mal 1 Stunde Fahrt war in Mundare (1) welches 70 km östlich von Edmonton liegt. In Mundare leben ungefähr 800 Menschen und die Gemeinde ist geprägt von der Geschichte ukrainischer Auswanderer die sich um 1907 hier niederliessen und noch heute die Mehrheit in dieser Region stellen.

Hauptattraktionen von Mundare ist "Die weltgrösste Kolbasa" (ukrainische Knoblauchwurst). Sie ist knappe 13 m hoch und über 6 t schwer. Gestiftet wurde sie von der örtlichen Wurstfabrik, welche heute ukranische Wurstwaren in ganz Kanada verkauft.



Mundare hatte einst den Beinahmen "Stadt der 9 Grain Elevators", heute ist nur noch einer übrig und dieser fällt langsam aber sicher auseinander.



Da Samstags Morgen in der Prärie nicht wirklich der Bär stept, hielten wir uns nicht lange auf und setzten unser Reise nach Norden fort, denn 40 km nördlich befand sich unserer nächste Haltepunkt, Andrew (2). Andrew hat rund 400 Einwohner und ist das Heimatdorf des aktuellen Premierministers von Alberta Ed Stelmach, was aber wirklich der allerletzte Grund wäre Andrew zu besuchen. Auch in Andrew ist die ukrainische Kultur nicht zu übersehen.

Hauptattraktionen von Andrew sind... "Die weltgrösste Stockente" mit über 7,60 m Spannweite und einem Gewicht von 1,6 t.



... der noch voll funktionsfähige Grain Elevator welcher heute ein von Juni-Spetember geöffnetes Museum ist.



... die einzige Tankstelle von Andrew, welche sicher schon seit Jahrzehnten geschlossen und ein Indikator dafür ist das auch Andrew seine Blütezeit weit hinter sich gelassen hat.



Spätestens nach dieser Tankstelle bereuten wir, nicht vor dem Start der Reise in Edmonton voll getankt zu haben, also beschlossen wir weiter zu fahren. Wir wussten das die Tankfüllung auf jeden Fall bis Cold Lake reichen sollte. Etwas mehr als 70 km nord östlich von Andrew, hatten wir uns als nächsten Punkt von Interesse Vilna (3)heraus gesucht und der Name der Stadt lässt die Wurzeln schon erahnen. Auch wenn Vilna nur 275 Einwohner hat, hat Vilna doch immerhin "Die weltgrössten Mushrooms" zu bieten.



Aber das ist noch nicht alles, in Vilna wurde die historische Altstadt von 1920 rekonstruiert, so das man sich wahrlich in der Zeit zurückversetzt fühlt.



Weiter ging unsere Reise nach Nordosten und wir näherten unserem letzten Stop bevor wir Cold Lake erreichen sollten, Glendon (4). Auch Glendon hat nur knapp über 400 Bewohner, aber wie das so mit kleinen Communitys in Alberta ist hat auch Glendon etwas für Touristen zu bieten. In Glendon findet man "Die weltgrösste Perogy" (ukrainische gefüllte Teigtaschen).



Das war es dann aber auch schon was man als Touristenmagnet bezeichnen könnte. Wie in jeder dieser kleinen Städte gab es aber auch in Glendon das eine oder ander alte Gebäude was richtig toll ausah und was wir euch hier nicht vorenthalten wollen.



Nun ging es zum letzten Haltepunkt des Tages, nach Cold Lake (5). Mit fast 14.000 Einwohnern schon eine richtige Metropole.



Nach einem gemütlichen Cafe zeigten uns unsere Freunde was es in Cold Lake so zu sehen gibt. Wir besuchten den Stützpunkt der kanadischen Air Force in Cold Lake, aber wahrscheinlich waren alle im Wochenende. Echte Maschinen sind keine abgehoben dafür haben sie aber einige schöne Displays aufgestellt.



Wen so etwas interessiert, jedes Jahr im Mai/Juni findet in Cold Lake die 6 wöchige Operation Maple Flag statt. Es handelt sich dabei um eines der grössten Luftmanöver der Welt an dem über 5.000 Piloten aus den unterschiedlichsten Ländern teilnehmen.
Danach fuhren wir an den Ufer des gleichnamigen Sees. Hier findet man die Wurzeln aus denen das heutige Cold Lake hervorgegangen ist, wie Clarks General Store, der heute ein Restaurant mit integriertem Museum ist.



Da wir unsere die Rückreise am nächsten Morgen recht früh geplant hatten übernachteten wir nicht bei unseren Freunden, um ihnen nicht den Sonntag Morgen zu ruinieren, sonder wir kehrten in einem Hotel ein. Wir hatten die Qual der Wahl. Da uns nicht nach "altkanadischen" Motel war beschlossen wir uns etwas besseres zu gönnen. Als erstes stoppten wir am Neuanbau des "Best Western". Hier gab es das Standard Zimmer im 40 Jahre alten Motel-Bau für § 110 CAD, ein Standard-Zimmer im 30 Jahre alten Alt-Bau Gebäude für $ 130 CAD und ein Zimmer im Neubau für $ 170 CAD plus Tax. Das überzeugte uns nicht wirklich und wir fuhren weiter zum Ramada Hotel. Das Hotel war so neu, das sie noch am Parkplatz Asphaltarbeiten vorgenommen haben. Das Standard-Zimmer gab es für den Kampfpreis von $ 116,99 CAD plus Tax und so sah es aus:



Das Frühstück am nächsten Morgen war spitze und das Ambiente des Hotels hat genau unseren Geschmack getroffen. Ohne eines der älteren Hotels in Cold Lake aufgesucht zu haben empfehlen wir, dass das Ramada als das Hotel mit dem besten Preis- / Leistungsverhältnis vor Ort.
Am nächsten Morgen war zeitig aufstehen angesagt, denn es ging nicht nur nach Edmonton zurück, nein es ging über Saskatchewan unsere Nachbarprovinz zurück und das mit jeder Menge Zwischenstops. Man merkte an der Strasse genau den Moment wo man Alberta verlassen hatte. Wir quälten uns 70 km nach Osten zum ersten Haltepunkt des Tages, Goodsoil (6). Goodsoil mit seinen 100 Einwohner existiert nur, weil es der letzte belebte Fleck vor einer Reihe von Erholungsparks der Provinz Saskatchewan ist und die Schule für den weiteren Umkreis beherbergt. Die Strassen sind unbefestigt und es lassen sich einige dieser Gebäude im Ort finden.



Ursprünglich sollte uns unsere weitere Reise nach Meadow Lake führen, wo noch mehrere Grain Elevators zu sehen sind. Die Strassenverhältnisse waren aber so schlecht das wir teilweise nur mit maximum 70 km/h fahren konnten. Wir beschlossen Meadow Lake ein anderes mal einen Besuch abzustatten. Stattdessen fuhren wir 90 km nach Süden und hielten in St. Walburg (7).
St. Walburg ist ein Städtchen mit ca. 800 Einwohnern. Von 1910 - 1930 wurde die Stadt ursprünglich von Deutschen besiedelt. Es gab mehrere Grain Elevators in St. Walburg die unser Herz höher schlagen liessen.
Gerade Isabell liebt es, die wenigen noch übrig gebliebenen Grain Elevators in Kanada für die Geschichte festzuhalten, bevor sie letztendlich alle verschwinden.

Dies ist der letzte operierende Grain Elevator in St. Walburg, wahrscheinlich weil er nie an das Schienennetz angebunden war, sondern direkt an der Hauptstrasse am Ortseingang erbaut wurde.



St. Walburg ist das zu Hause des Wild Blueberry Festivals, welches jedes Jahr im Sommer gefeiert wird. Im Zentrum befindet sich der St. Walburg's Centennial Park. Der kleine Park wurde zu Ehren für diejenigen errichtet, die eine aktive Rolle in der Community spielten. Ein sehr schmerzliches Ereignis für die Community war die Entscheidung der Canadian National Railway (CN) den Service nach St. Walburg im Jahr 2005 einzustellen. Die Schienen wurden alle bis 2008 entfernt. Dies bedeutete ebenso das Aus für alle Grain Elevators welche entlang der Schiene errichtet wurden. Es ist schon etwas schmerzlich zu sehen, wie so eine Entscheidung eine ganze Stadt verändert.



Auch im Zentrum von St. Walburgs findet man viele verlassene Gebäude, die von der einstigen Blütezeit dieser urbanen Zentren zeugen.



Unsere Reise ging weiter nach Paradise Hill (8). Paradise Hill ist ein Dorf mit ca. 500 Einwohnern. Wie so viele Prairiestädte gab es ebenso in Paradise Hill einmal eine Blütezeit. Bevor Paradise Hill entstand verlief an dieser Stelle der Carlton Trail, einer der ersten "Highways" Kanadas. Auf ihm reisten die ersten weißen Siedler von Fort Garry (Winnipeg, Manitoba) bis Fort Edmonton (Edmonton) über 1.500 km und später sogar weiter bis Fort Vancouver (Portland, Oregon). Am Ortseingang erichteten die Anwohner ein Denkmal, an der Stelle wo die Ochsengespanne der Siedler den Fluß überquerten.



Auch hier fanden wir stillgelegte und verlassene Grain Elevators, welche auch an der Strecke lagen welche 2005 aufgegeben wurde. Der Rüssel über den das Korn in die Getreidewagen der Züge verladen wurde, wehte im Wind und die verbliebenen 100 m Gleis gaben einem ein richtiges Ghost Town Feeling.



Bemerkenswert ist, dass das Gleis welches stillgelegt wurde noch das original Gleis ist, welches 1913 verlegt wurde. An den Überesten kann man lesen: "JNE 3 1913 LUNDI"



Von hier aus ging es zurück nach Alberta. Unser nächster Halt war in Marwayne (9). Marwayne hat ca. 570 Einwohner. Da die Canadian Pacific Railway (CP) immer noch Marwayne anfährt, sind auch alle Grain Elevators noch in Betrieb.



Nächste Halt unserer Reise war Heinsburg (10). Heinsburg wirbt damit die lebhaftigste Ghost Town in Alberta zu sein. Heute leben nur noch wenig Menschen in der Siedlung. Tourismus Magnet ist Heinsburg unter anderem wegen dem letzten heute noch existierenden hölzernen Wasserturm, mit denen die Dampfloks früherer Zeiten mit Wasser versorgt wurden.



Direkt neben dem Wasserturm befindete sich noch eine alte Diesellok, das alte Bahnhofsgebäude, einige andere zweckentfremdete Gebäude, sowie Schautafeln, welche das Gelände um 1930 darstellen. Die Haupstrasse (Mainstreet) von Heinsburg sieht heute aber so aus:



Weiter ging es nach Dewberry. Knapp über 200 Menschen leben an diesen Flecken und werben damit, den grössten Chuck-Waggon der Welt zu haben. Seine besten Zeiten hatte Dewberry ohne Zweifel in den Goldenen 1920ern. Von der Meztgerei, dem Hardware Store, dem Konditor, dem Trachtenladen, dem Co-op und der Kirche sind mit Glück noch die alten leer stehenden Gebäude vorhanden. Von den ehemals 4 Grainelevators steht keiner mehr.



Von Dewberry ging es nochmal nach Osten, nach Lloydminster. Lloydminster hat kanpp über 24.000 Einwohner und liegt in Alberta und Saskatchewan. Als Siedler die Stadt 1903 auf dem 110° Meridian errichteten wussten sie noch nicht, das genau dort 1905 die Grenze zwischen den neu entstehenden Provinzen Alberta und Saskatchewan verlaufen soll. Heute ist die 44. Strasse zugleich die Grenze zwischen Alberta und Saskatchewan.



Entgegen früherer Zeiten leben heute die meisten Einwohner Lloydminsters auf Seiten Albertas da hier die Einkommenssteuer doch wesentlich geringer ist. Mittlerweile wurden auch das Rathaus und die Stadtverwalt nach Alberta verlegt.



Nun war für uns aber wirklich der Zeitpunkt gekommen die Heimreise anzutreten. Letzter Stop auf dem Weg sollte Vermillion sein. Mit knapp über 4000 Einwohnern, dem Lakeland College und noch immer bestehender Anbindung an das Schienennetz eine kleine "schnucklige" Stadt deren Hauptstrasse noch geprägt ist von den Gebäuden aus der Gründungszeit. Eines davon ist der Sitz der örtlichen Zeitung, dem "Vermillion Standard" welcher seit 1909 bis heute verlegt wird.



Nun sollte es eigentlich 190 km ohne Unterbrechung bis nach Edmonton zurück gehen. Vom Highway aus sahen wir allerdings etwas abseits noch ein paar Grainelevator und wir entschlossen uns spontan einen Abstecher in den Ort zu machen. Überaschend stellten wir fest, dass die Grainelevator noch in Betrieb waren.



Auch wenn heute nur noch knapp über 200 Menschen hier leben hat Innisfree doch schon eine ganz bewegte Geschichte hinter sich. Um 1900 unter dem Namen Delnorte (span. der Norden) geründet war es ab 1905 am Eisenbahnnetz angeschlossen. Im selben Jahr besuchte ein Bankier den Ort und versprach eine Bank zu errichten, falls der Ort seinen Namen in Innisfree änderte. Alles andere ist Geschichte. Innisfree hatte zwischenzeitlich bis zu 6 Grainelevators, Metzgerei und sogar eine Eisdiele. Viele dieser alten Gebäude stehen noch, wenn auch leer und wirken in dem kleinen Ort völlig fehl. In der Bank befindet sich heute die Touristen Information, ein Museum, eine Galerie und sie ist Sitz der "Innisfree Bank of Commerce Historical Society".



Von hier aus ging es dann aber doch schnurstracks zurück nach Edmonton. 2 Tage brachten uns den gering besiedelten Ostens Albertas und den noch geringer besiedelten Westen unserer Nachbarprovinz Saskatchewan näher.

1. Etappe Edmonton - Cold Lake 300 km
2. Etappe Cold Lake - Saskatchewan - Lloydminster - Edmonton 710 km

Montag, 27. September 2010

Unsere grosse Rundreise 26.08. - 29.08.2010



Haltepunkte: 1. Fort Mcleod - 2. Lethbridge - 3. Del Bonita - 4. Browning, St. Mary, Glacier National Park Montana - 5. Waterton Lakes National Park - 6. Pincher Creek / Frank Slide - 7. Bar-U-Ranch - 8. Banff National Park - 9. Jasper National Park

Ende August unternahmen wir eine grosse Rundreise. Wir starteten unsere Reise in Edmonton am Donnerstag den 26. August 2010 und es ging über Calgary zu unserem ersten Haltepunkt in Fort Mcleod. Auf dem Weg dahin ist Nanton ein absolut sehenswertes Städtlein. Leider waren wir mit unserem Zeitplan etwas in Verzug, so das der geplante Stop in Nanton entfallen musste. Wir hoffen aber das wir diesen auf einer unserer nächsten Touren nachholen können. Wer es vor uns nach Nanton schafft dem empfehlen wir folgende "Must See":
- das Bomber Command Museum of Canada
- das Canadian Grain Elevator Discovery Museum
- die größte Garten Modellbahn Kanadas.
Bei einem Spaziergang durch Nanton fühlt sich so richtig in der Zeit zurück versetzt, denn viele Gebäude aus der Gründungszeit sind noch erhalten.

In Fort Macleod (1) angekommen, legten wir unsere erste Pause ein um uns die Stadt einmal näher anzuschauen. Die Stadt wirkt sehr verschlafen. Auch hier fühlt man sich wie in der Zeit zurück versetzt. Fort Macleod war ursprünglich eine Barracke der North-West Mounted Police. Als die Canadian Pacific Railway - kurz CPR nach Fort Macleod kam, boomte die Stadt. 1906 wurde die Stadt von einem Feuer fast völlig zerstört. 1912 zog die CPR Railway mit über 200 Jobs nach Lethbridge und 1924 gab die Stadt den Bankrott bekannt.
Bis in die ´70er stagnierte die Wirtschaft in Fort Macleaod und die Gebäude von der Jahrhundertwende blieben wie unberührt zurück.



In der Stadt kann man sich das alte Fort ansehen, in dem Szenen von dem Film "Brokeback Mountain" gedreht wurden.



Sehr beeindruckend ist das American Hotel. Das Hotel wurde in den 1890´s erbaut unter dem Namen Klondyke Hotel. Die Struktur besteht komplett aus Holz. Im Jahre 1900 wurde es in American Hotel umbenannt. Das Hotel hat 45 Zimmer. Prohibition and the Depression sorgten mehrmals dafür das das Hotel über eine längere Zeit geschlossen war. Das Hotel wechselte mehrmals den Besitzer. Der momentane Besitzer begann das Hotel 2002 zu renovieren und steckte bereits 150.000 CAD in die Innenrenovierungsarbeiten hinein. Leider sieht das Hotel immernoch unbelebt aus.



Weiter ging unsere Reise an unseren zweiten Haltepunkt - Lethbridge (2). Von der Einwohnerzahl her ist Lethbridge mit circa 87.000 Einwohnern die viertgrösste Stadt in Alberta. Lethbridge ist durch den Oldman River und dessen Tal geteilt. Seit 1909 überspannt die High Level Bridge den Fluss, mit 1.623 m Länge und 95 m Höhe das größte Gerüstpfeilerviadukt der Welt.



Für uns gab es zwei Dinge die wir unbedingt anschauen wollten. Zum einen Fort Whoop-Up, es machte sich einen Namen damit das vor 1900 und dem Eintreffen der North-West Mounted Police dort illegal Whisky an die First Nations verkauft wurde und in unfairem Handel Indianer im Tausch gegen billigen Whisky (welcher oft den Namen nicht verdiente) um wertvolle Pelze gebracht worden.
Ein der besonderen Whisky Sorten war der "Whoop-Up Bug Juice" - "Whoop-Up Käfer Saft" bestehend aus Äthanol, versetzt mit Ingwer, Rohrzuckersirup und Pepperoni. Eingefährt mit schwarzem Kautabak und mit reichlich Wasser gestreckt wurde der Mix aufgekocht um dann als "Feuerwasser" and Indianer verkauft zu werden.
Im Fort Whoop up befindet sich die größte Schusswaffenaustellung Kanadas für den Zeitraum von ca. 1850-1950. Das Fort Whoop-Up hält den Titel einer "National Historic Site". Wenn man einen Jahrespass von Parks Canada hat, bekommt man 20% Ermässigung beim Eintritt.



Ein weiteres Muss in Lethbridge ist der kleine aber feine Nikka Yuko Japanese Garden. Der Garten wurde 1967 eröffnet. Die Brücken, das Haus und das Pavilion wurden in Japan von Kunsthandwerkern erschaffen. Anschliessend wurde alles verschifft und in Lethbridge wieder aufgebaut. Das Gebäude welches im alt-japanischen Baustil entworfen wurde, findet man nicht einen einzigen Nagel.



Man sollte sich auch auf jeden Fall die Innenstadt von Lethbridge anschauen. Wir sind am Abend durch die Strassen geschlendert. Besonders reizend sind die vielen alten Gebäude und der schöne Centennial Park inmitten der Stadt.



Am nächsten Morgen, am Freitag den 27. August 2010, ging es weiter zum nächsten Haltepunkt nach Del Bonita (3). Del Bonita ist heute in weiten Teilen nur noch eine Ghost Town auch wenn es offiziell als bewohnt gerechnet wird, da im weiteren Umland 650 Einwohner auf 630 km² leben.



Das Postamt existiert noch, aber die im Jahr 1960 eröffnete Schule ist seit 1999 geschlossen und alle Schüler aus dem Umkreis besuchen jetzt die Schule in Margrath.



Was den Eindruck der Ghost Town noch vollkommen macht, sind Gebäude welche aus Whiskey Gap einer Ghost Town in der Nähe nach Del Bonita gebracht wurden. Dies war von Nöten aufgrund des stetigen und starken Windes der über die Rocky Mountains weht und wahrscheinlich die meisten Gebäude Del Bonita's schon davon geblasen hat.



Del Bonita ist aber nicht nur eine Ghost Town sondern auch ein Grenzübergang nach Montana, USA. Nach guten 40 Minuten Aufenthalt (Papierkram / Fingerabdrücke) und $ 6 US pro Person Verwaltungsgebühr ging es dann weiter nach Süden ins gelobte Land. Dachte man schon das Alberta gering besiedelt ist, musste man feststellen das in Montana noch weniger Menschen leben. Wir fuhren 70 km nach Süden um, in Browning (4) unserem nächsten planmässigen Stop, zu tanken. Auf dem Weg dahin passierten wir einige historische Markierungen der Lewis-und-Clark-Expedition (1803-1806)



Browning ist das Zentrum des Blackfeet Indianer Reservates und es gibt auch ein Museum über das Leben der Prärie Indianer. Ausgestiegen ausser zum Tanken sind wir trotzdem nicht. Für uns blieb von Browning der prägende Eindruck von purer Armut, Verwahrlosung, Drogen- und Alkoholabhängingkeit, streunender Hunde ... einfach ein Ort wo man nicht sein will. Festzustellen bleibt auch das tanken in den USA nicht immer billiger sein muss. Der Preis für Normal Bezin in Browning war $ 3.29 US / Gallone. An diesem Tag lag der Wechselkurs bei $ 1.05 CAD für $ 1 US und wenn man das umrechnet haben wir $ 0.91 CAD für 1 Liter bezahlt, das Benzin in Canada hat 89 Cent per Liter gekostet. Von Browning ging es dann nach Westen hinein in die Rocky Mountains. Die Aussicht war unbeschreiblich.



Vorbei an St. Mary, dem Eingang zum Glacier National Park und der Going-in-to-the-Sun-Road führte uns unsere Route nach Norden zurück Richtung Canada. Am Chief Mountain, einem der heiligen Berge der Blackfeet / Blackfoot Indianer gibt es den gleichnamigen Grenzübergang nach Canada.



Kaum hatten wir den Grenzübergang passiert befanden wir uns auch schon an unserem nächsten Haltepunkt, im Waterton Lakes National Park (5). Zusammen mit dem Glacier National Park in Montana bildet er den Waterton Glacier International Peace Park, den ersten jemals von der UN anerkannten internationalen Friedenspark.



Idyllisch liegt das Dorf Waterton Lake zwischen den Seen, majestätisch überragt vom altehrwürdingem Prince-of-Wales-Hotel.



Man sollte auf jeden Fall den Cameron Lake und den Red Rock Canyon besuchen, wenn man schon mal dort ist. Da wir wie erwartet mit unserem Zeitplan wieder in Verzug waren entschieden wir uns nur den Red Rock Canyon aufzusuchen. Leider wurde dieser Plan nach ca. 20 km Anfahrt durch Strassenbauarbeiten zunichte gemacht. Da es jetzt auch für den Cameron Lake zu spät war setzten wir unsere Reise zu unserem nächsten planmässigen Stop nach Pincher Creek (6) fort.

Nachdem wir in Pincher Creek in unserem Hotel eingecheckt hatten, nutzten wir die Abendstunden noch, um ins nah gelegene Frank zu fahren. Auf dem Weg dahin passierten wir die Überreste einer ehemaligen Kohlmiene, Leitch Collieries, nahe dem ehemaligen Passburg. Im Bild zu sehen ist das ehemalige Powerhouse welches Strom für die Miene und Passburg lieferte.



Weiter ging es in die Gemeinde Frank, einer ehemaligen Kohlmienenstadt welche 1903 unrühmlich weltbekannt wurde. Durch einen massiven Bergrutsch mit über 30.000.000 m³ Kalkstein wurde Teile von Frank verschüttet und über 70 der 600 Einwohner getötet. Nur 12 Leichen wurden jemals geborgen. 17 Mienenarbeiter, welche in der Kohlemiene zum Zeitpunkt des Erdrutsches arbeiteten, konnten sich mit ihren Werkzeugen nach 14 Stunden selber mit einem Durchstich zur Oberfläche befreien.



Mittlerweile wurde die Strasse welche durch Frank führte zu einem Highway ausgebaut. Dieser führt aber immer noch mitten durch das ehemalige Dorf und heutige Trümmerfeld. Die Geröllhalde links und rechts der Strasse lässt einen nur erahnen wie gewaltig der Erdrutsch war.



Am Samstag Morgen, den 28. August 2010 ging es von Pincher Creek entlang der Rocky Mountains nach Norden zu unserem nächsten Stop, der Bar-U-Ranch (7).



Die Bar-U-Ranch war eine der ältesten (seit 1881) und grössten (65.000 ha) Ranches in Canada.



Heute ist von der ehemalige Grösse nicht viel erhalten und die Übereste ca. 148 ha sind heute im Besitz von Parks Canada und werden als Museums Ranch weiter betrieben um der heutigen Generation einen Einblick zu geben wie ein Grossteil der Bevölkerung bis in die frühen 60er Jahre lebte.



Nun standen wir am Scheideweg unserer Reise. Wir wussten das es in Banff und Jasper auf jeden Fall am Sonntag regnen sollte. Da aber das Wetter schon am Samstag umschwingen sollte, uns bisher aber nur mit Sonnenschein beglückt hatte, beschlossen wir das Risiko einzugehen über die Rocky Mountains unsere Reise fort zu setzten anstatt einfach abzubrechen und über Calgary nach Hause zu fahren.

Am Nachmittag ging es von der Bar-U-Ranch weiter Richtung Banff. Wir passierten auf dem Weg die Gemeinde Longview, welche aus der Ghost Town Little New York hervorgegangen war. Einige Gebäude aus den 30er Jahren sind noch immer erhalten, auch wenn die Bevölkerungszahl seit jenen Tagen wesentlich zurück gegangen ist.



Unser nächster Stop in Banff (8) fiel kurz aus, denn wir kannten Banff schon und wollten nur einen Snack zu uns nehmen. Statt der 4-spurigen Rennstrecke dem Trans-Canada-Highway 1 von Banff nach Lake Louis nahmen wir den alten Highway, den Bow Valley Parkway. Anders als bei unserer letzten Reise waren die Berge diesmal nicht Wolken verhangen und es regnete auch nicht.



Was wir aber registrierten war, dass der Himmel mehr und mehr zuzog. Von Lake Louis ginge es über Saskatchewan Crossing und den Columbia Icefields Richtung Jasper. Schon am Aufstieg zu den Columbia Icefields gerieten wir in starkes Schneetreiben. Der Sommer war ohne Frage zu Ende.



Nach der Überquerung des Passes ging der Schnee in den tieferen Lagen in Regen über. Gegen 21 Uhr erreichten wir das verregnete Jasper. Statt der geplanten Übernachtung beschlossen wir noch Abendbrot zu essen und dann in die Nacht hinein nach Edmonton zurück zu fahren. Kurz vor 22 Uhr verliessen wir Jasper und nach 380 km in dunkelster Nacht und strömenden Regen erreichten wir am Sonntag Morgen kurz vor 2.00 Uhr Edmonton.

1. Etappe: Edmonton - Fort Macleod - Lethbridge 510 km
2. Etappe: Lethbridge - Del Bonita - Browning - Waterton Lake - Pincher Creek - Frank 530 km
3. Etappe: Pincher Creek - Bar-U-Ranch - Banff - Jasper - Edmonton 1015 km